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Die Papagei-Staffel 'Beschützer des JV 44'
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Im Laufe der Geschichte zeigt sich immer wieder, daß es gerade die kleinen und etwas aus dem Rahmen fallenden militärischen Einheiten sind, die eine besondere Faszination auf Militärhistoriker und Enthusiasten ausüben. Gehörte die Einheit zu den Besiegten, dann existieren oft überhaupt keine Unterlagen mehr, was die Sache noch geheimnisvoller macht. Die Papagei-Staffel kann sicher dieser Art von Einheiten zugerechnet werden.

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Die vier bekannten Piloten der Papagei Staffel in Ainring am 1.Mai 1945. Von links nach rechts: Lt.Karl-Heinz Hofmann (†), Lt.Heinz Sachsenberg (†), Hptm.Waldemar Wübke (†) und Hptm. Klaus Faber.

Quelle - Jet & Prop

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Der Einsatz der Me 262 hatte eine Revolution sowohl in der Technik als auch in der Taktik der Jagdflugzeuge zur Folge und löste im Jahre 1944, nicht einmal drei Jahrzehnte nach deren erstmaligem Gefechtseinsatz im ersten Weltkieg, die Ära der kolbenmotorgetnebenen Jagdflugzeuge ab. Aber die Geburtswehen der Strahlflugzeuge sorgten auch dafür, daß die kolbenmotor getriebenen Jäger weiterhin ihren Platz behalten sollten - nämlich den Schutz gerade der Flugzeuge, die sie eigentlich ersetzen sollten. Wegen der geringen Lebensdauer der Triebwerke (25 Stunden), die teilweise durch den Mangel an strategisch wichtigen Metallen und Legierungen für die Turbinen bedingt war, reagierte die Me 262 sehr empfindlich auf rasche Leistungs hebeländerungen und verlangte nach langen flachen Starts und ebensolchen Anflügen bei der Landung. Diese Verletzlichkeiten konnten natürlich den alliierten Jagdfliegern nicht lange verborgen bleiben, und mit Hilfe entschlüsselter Geheimberichte (ULTRA)und durch Aufklären bekannter Plätze, auf denen Strahljäger stationiert waren, gelang es ihnen bald, sich mit einiger Aussicht auf Erfolg mit den neuen Jägern einzulassen ("blow jobs" und "rat catching"). Um dieser Gefahr zu begegnen, glaubte die Luftwaffe, daß propellergetriebene Jäger die örtliche Flak ergänzen und für eine Frühwarnung vor feindlichen Aktivitäten im umliegenden Luftraum sorgen könnten. Fotos und Dokumente beweisen, daß Einheiten wie die III./KG (J) 54 und die III./JG 7 eine kleinere Anzahl FW 190A-8 bzw. Bf 109 G-14 zum Schutz ihrer Strahljäger einsetzten. Soweit bekannt ist, führten diese kleinen Einheiten keine offiziellen Namen. Die Bedeutung dieser Abwehrmaßnahmen ist jedoch daran zu ermessen, daß der erste offizielle Auftrag an die Hochleistungs- jäger FW 190D-9 bei ihrem Erstemsatz bei der III./JG 54 im Oktober 1944 in der "Flugplatzverteidigung für die Sonderjäger" bestand, d.h.,im Schutz der von Hesepe und Achmer aus operierenden Me 262 des Kommandos Nowotny. Als dann sechs Monate später bei Aufstellung des JV 44 klar wurde, daß dieser Schutz wegen der Luftüberlegenheit der Alliierten notwendig sein würde, wurde die Papagei-Staffel ins Leben gerufen

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Die folgenden Ausführungen zu den Einsatzverfahren des Jagdverbands 44 stellen eine Synthese aus dem von Steinhoff (1976) und Toliver und Constable (1991) präsentierten Material und den Erinnerungen Hptm. Fabers und Obit. Stiglers dar. Zur Ergänzung und Bestätigung ihrer Kommentare dienten verschiedene veröffentlichte (z.B. Held, 1988) und unveröffentlichte Fotos (Sammlung Stigler). Der Gefechtsstand des JV 44 befand sich in einer Schule am westlichen Rand des Dorfes Feldkirchen, etwa zwei Kilometer östlich des Flugplatzes. In dem Dorf war auch eine kleine, dem JV 44 direkt unterstellte Radareinheit untergebracht. Der Feldgefechtsstand in einem Zelt auf dem Flugplatz selbst stand unter dem Kommando von Lt. Herbert Kaiser, dem Leiter der Bodenkontrolle. Dadurch war das Verlegen der Gefechtsstände, das infolge der ständigen Angriffe der Alliierten auf den Flugplatz häufig notwendig war, relativ einfach. Der spartanische Ruheraum für die Piloten bestand lediglich aus mehreren kleinen Holzschuppen, einigen Gartenstühlen und Tischen sowie einem Feldtelefon. Anhand des Hintergrunds der veröffentlichten Fotos der JV 44-Piloten nehmen wiran, daß sich dieser Ruheraum nahe der Stationsgebäude am nordwestlichen Rand des Flugplatzes München-Riem befand. Die Me 262-Jäger des JV 44 waren am westlichen Rand des Platzes neben der hohen Ziegelmauer, die den nordwestlichen Teil des Platzes abgrenzte, untergebracht. Man nimmt an, daß die Papagei-Staffel ihre Doras etwas südlich der Me 262 in der Nähe der westlichen Startplattform abgestellt hatte. Ein typischer Einsatz dürfte etwa so abgelaufen sein: Wenn die regionalen Luftverteidigungsstellen oder die eigene Radareinheit des JV 44 in Feldkirchen feststellten, daß alliierte Bomberkräfte in den Abfang- bereich eingedrungen waren, gingen Informationen über Kurs, Höhe, Geschwindigkeit und ähnliches unverzüglich über Telex oder Telefon an den Feldgefechtsstand des JV44 und von dort aus an die in ihren Ruheräumen wartenden Piloten. Sobald durch das kontinuierliche Uberwachen feststand, daß ein Abfangen der Bomber möglich wäre, legte der Kommandeur des JV44 eine Startzeit fest, die unverzüglich an die Me 262-Piloten, die Papagei-Staffel und die den Flugplatz umgebenden Flak-Batterien weiter- gemeldet wurde. Falls erforderlich, starteten dann die Doras spätestens fünf Minuten vor den Me 262, um genügend Vorsprung zu haben, maraudierende Jäger der Alliierten abzufangen, die vor Eintreffen der Bomberkräfte über dem Flugplatz auftauchen könnten. Der Start der Doras war für die Me 262-Piloten meistens das Zeichen, daß es los ging. Wenn die Dora- Piloten bestätigten, daß die Luft rein war, starteten die Jäger so rasch wie möglich. Nach dem Start der Jäger kehrten die Doras wieder in ihren Bereitstellungsraum zurück, um auf die Rückkehr der Me 262 zu warten. Diese Taktik wurde wahrscheinlich beibehalten, als der JV 44 nach Salzburg-Maxglan verlegte. Es ist jedoch auch möglich, daß von dort aus keine Einsätze mehr geflogen wurden.

Die "Rote 1" (WkNr.600424), die Maschine vom Staffelkapitän Hptm.Waldemar Wübke

Quelle - Jet & Prop

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Man nimmt an, daß die Papagei-Staffel ihre Einsätze mit der Dora am 19.April 1945 aufnahm. Steinhoff erinnert sich in seinem Buch "The Last Chance" (1977,S. 153) an Bemerkungen Oberst Lützows am Morgen des 18. April (an dem Tage, an dem Steinhoff seinen beinahe tödlich endenden Absturz hatte), als dieser erklärte, Lt. Sachsenberg würde am folgenden Tag Luftraumsicherung für die Me 262 fliegen. Auch Hptm. Klaus Faber, einer der anderen Piloten der Staffel, erinnert sich, daß er frühestens Mitte des Monats beim JV 44 eintraf. Vorher war er beim Stab/JG 6 in Oberschlesien unter Maj.Gerhard Barkhorn gewesen, und hatte erst Anfang April Befehl erhalten, sich bei Gen.Lt. Galland in München-Riem zu melden. Daraufhin flog er nach Pilsen, wo er seine Bf 109 G abgab und seinen Weg nach Regensburg fortsetzte. Dort übernahm erdie FW 190 D-9 (Rote 13) und flog damit schließlich nach München-Riem. Über die Einsatzgeschichte der Papagei- Staffel ist praktisch nichts bekannt, was angesichts ihrer sehr begrenzten Rolle und der Kürze ihres Einsatzes nicht verwunderlich ist. Sowohl Hptm. Faber als auch Obit. Stigler erklärten, daß sie sich an nur wenige Einsätze der Staffel während ihres Aufenthalts von nicht einmal zwei Wochen in München-Riem erinnern können. Es gibt weder Erinnerungen noch Aufzeichnungen über Luftkämpfe mit alliierten Jägern und damit auch keine Abschüsse. Der letzte bestätigte Me 262-Einsatz (und sieg reiche Luftkampf) des JV 44 datiert vom 28.April (Smith & Creek, 1982, Foreman & Harvey,1990). Bereits um den 29.130. April war die Einheit gezwungen, von München-Riem nach Salzburg-Maxglan und Innsbruck zu fliehen. Dabei mußten zwei nicht flugklare Doras der Papagei-Staffel zurückgelassen werden, die "Rote 1" und die "Rote 4". Die restlichen drei Doras (Rote 13 und Rote 8(?) sowie die unbekannte Maschine) wurden nach Amring, einige Kilometerwestlich Salzburg-Maxglans verlegt, wo auch der Großteil der Me 262 stationiert wurde. Es könnte sein, daß ein oder zwei Einsätze der Me 262 von dort aus geflogen wurden, eine Bestätigung dafür gibt es jedoch nicht.

Die "Rote 13" (WkNr.400240), wie sie von amerikanischen Bodentruppen am Flugplatz Ainring am 6. Mai 1945 vorgefunden wurde.

Quelle - Jet & Prop

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Interessanterweise könnte es sein, daß den letzten Luftsieg des JV44 Hptm. Faber in seiner D-9 errungen hat, der angibt, eine P-47 Thunderbolt über Bad Aibling abgeschossen zu haben, als er unterwegs zum Whiskey holen war (Faber zu J. Orandall, 1989). Dieses bisher nicht bestätigte Zusammentreffen soll am 4. Mai stattgefunden haben, als sich die Staffel in Amring befand. Dies war der Tag nach der Zerstörung der Me 262 des JV 44 in Salzburg-Maxglan, als die Maschinen vor den Augen der 3. US-Panzerdivision am 3. Mai gesprengt wurden. Das Kriegstagebuch des Generals der Flieger Karl Koller (Smith, 1990,S.80) enthält einen Eintrag, wonach dieser telefonisch mit dem Kommandeur des JV44, Heinz Bär, in Salzburg am Abend des 3. Mai über dessen Absicht sprach, auf Gallands Befehl alle nicht einsatzfähigen Flugzeuge am folgenden Tag (d.h. den 4.Mai) zu sprengen. Es scheint, daß die Hauptstoßrichtung der Amerikaner Salzburg war, und die US-Truppen südlich an Amring vorbei vorstießen, da am Abend des 3. Mai keine Meldungen über Truppen in der unmittelbaren Umgebung Ainrings gemeldet wurden. Trotzdem gaben die Piloten spätestens am 5.Mai ihre Flugzeuge auf und beendeten damit das kurze 16-tägige Leben der Papagei-Staffel und mit ihr das des Jagdverbands 44.

Die Fw 190 D im Modell

Die hier gezeigten Modelle sind im Maßstab 1:5,5 nachgebaut und stellen die "Rote 13" und die "Rote 4" dar. Die Modelle wurden aus selbsterstellten Formen ganz in GFK gebaut, haben eine Spannweite von 190mm und ein Gewicht von 10kg. Angetrieben werden beide Modelle mit ca.4 PS Leistung. Die Modelle erreichen im Hohrizontalflug eine Geschwindigkeit von ca. 200km/h. Pilot "Rote 13" Arnim Morgenweck, Pilot "Rote 4": Thomas Epping.

Quelle - Jet & Prop
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